Klassenzusammenkunft vom 28. und 29. August 2021 im Schloss Burgdorf. Fotos: F. Locher, D. Schönholzer

Am Samstag, den 28. August 2021, kurz vor 17:00Uhr, treffen zahlreiche Ehemalige der Sekundarschule Hindelbank im windigen Innenhof des Schlosses Burgdorf ein. Es soll sogar Personen gegeben haben, welche den Weg zum Schloss ohne vorgängige Konsultation einer Karte gefunden haben… In der angrenzenden Jugendherberge werden bereits erste Betten bezogen. Wie mit Frau Beaussacq abgemacht, wird die Führung «Das Schloss und seine BewohnerInnen» pünktlich gestartet. Das Schloss Burgdorf stammt aus dem 11. Jahrhundert. Herzog Berchtold der V. (und letzte) von Zähringen baute es um 1200 so um, wie es sich heute präsentiert. Auf dem Rundgang sehen wir zahlreiche Spuren von Herzögen, Gräfinnen, Schultheissen, Pädagogen und Gefängnisinsassen. Leider können wir diese Spuren den einzelnen Personen nicht wirklich zuordnen. Was wir aber zuordnen können, ist das Fehlen des Bären auf dem, in Sandstein gehauenen, Berner Wappen im Innenhof des Schlosses. Diesen haben nämlich die Truppen Napoleons entfernt. Wir besuchen das Museum. Die verschiedenen Räume sind unterschiedlichen Themen gewidmet. Im «Goldbereich» dürfen wir einen Kubikdezimeter Gold hochheben und mit anderen Materialien vergleichen. In einem anderen Bereich ist ein Gerät mit Wählscheibe ausgestellt. Wie Frau Beaussacq erklärt, seien die Kinder jeweils sehr erstaunt, dass man damit Telefongespräche führen konnte. Gleich daneben, im Raum mit Gegenständen, welche Heinrich Schiffmann gesammelt hatte, weichen wir gekonnt einer Diskussion über Kolonialismus und Rassendiskriminierung aus. Heutige Souvenirs sind zwar handlicher, finden vermutlich aber in 100 Jahren auch nicht in einem Museum Einzug. Spannend wird es im Gerichtssaal. Wir erfahren, dass der Arzt, Max Paul Theodor Riedel, und seine Geliebte, die Musikerin Antonia Guala, 1926 für den Giftmord an dessen Frau mit Arsenik zu zwanzig Jahren Gefängnis verurteilt worden waren. Nach fünf Jahren Haft wurden die beiden freigesprochen und für das Fehlurteil finanziell entschädigt. Der angebliche Mord stellte sich während der zweiten Verhandlung als Selbstmord heraus. Glücklicherweise gab es damals die Todesstrafe bereits nicht mehr. So konnte der Arzt seine Musikerin noch im selben Jahr ehelichen. Auch Johann Heinrich Pestalozzi hat im Schloss Burgdorf seine Spuren hinterlassen, als er 1800 hier sein Erziehungsinstitut gründete. Zuletzt war das Schloss Gerichts- und Verwaltungssitz. Auch ein Gefängnis war hier untergebracht.

Inzwischen ist es draussen merklich kühler geworden, so dass wir uns fürs Apéro ins Restaurant begeben. Wir schwelgen während dem feinen Nachtessen in Erinnerungen oder tauschen Neuigkeiten aus. Viel zu schnell ist der Abend vorbei und das Restaurant will seine Türen schliessen. Für einige ist es aber noch zu früh, um am Kopfkissen zu horchen. Diese finden sich wenig später im Himmelsklub von Burgdorf wieder. Sinnigerweise befindet sich dieser Sky-Club in einem tiefen Keller. In den frühen Morgenstunden treten auch die Letzen den Heimweg an. Elf von ihnen quartieren sich in der modern hergerichteten Jugendherberge im Schloss ein. Nach einer relativ kurzen Nacht treffen wir uns schon wieder im Restaurant zum Frühstück. Kurz vor Mittag trennen sich unsere Wege bereits wieder. Ab sofort zählen wir auch zu den ehemaligen SchlossbewohnerInnen. Ob uns nun Frau Beaussacq bei weiteren Führungen auch erwähnen wird?

Nun wünsche ich Dir viel Vergnügen beim Sichten der Fotos und freue mich, Dich im 2024 wieder zu sehen.

Fritz Locher

PS: Auf der Seite von https://www.360-swiss-heritage.ch kannst Du nochmals virtuell durch das Schloss wandeln.

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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